ALEXANDER BERMANGE

2003

 
 

Aufmerksam geworden ist die deutsche Musicalgesellschaft auf Alexander S. Bermange auf dem diesjährigen Musical Kongress in Hamburg. Seine Beiträge zum dortigen Showprogramm waren absolute Highlights des Wochenendes: »Walking On The Sun« – ein Medley, das die Bandbreite des künstlerischen Könnens von Alexander S. Bermange nicht besser zeigen könnte und deutschsprachige Ausschnitte aus »Nessie« - seinem Musical über einen Loch Ness Forscher machten Lust auf mehr!


Der 26-Jährige hat eine klassische Ausbildung zum Pianisten gemacht und komponierte schon sehr früh eigene Stücke. Als er niemanden fand, der für ihn texten wollte, versuchte er sich selbst als Autor und stellte sehr bald fest, dass ihm das Texten genauso viel Freude bereitete wie das Komponieren. 1999 beendet er seine Ausbildung an der Oxford University und hat seitdem als Komponist und Autor an vielen Produktionen im West End, am Broadway sowie internationalen Konzerten mitgewirkt.


Alexander S. Bermange ist einer derjenigen Kreativen, die spontan zu jeder Tages- und Nachtzeit texten und/oder komponieren, wann immer sie eine Eingebung haben. Allerdings laufen diese beiden Schöpfungspro zesse vollkommen unabhängig voneinander ab: entweder konzentriert er sich auf die Musik oder auf den Text. Eine parallele Ausarbeitung von Song und Text funktioniert nach seiner Aussage nicht.

Porträt über einen sehr viel versprechenden Londoner Komponisten und Autoren

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Es fällt es ihm jedoch leichter, ein Stück zu komponieren, wenn er schon einen Titel im Kopf hat und weiß, um was es ihn dem Song gehen soll.


Er lässt sich beim Komponieren nicht auf eine Richtung festlegen – so finden sich unter seinen bisherigen Werken neben den Musicals »Shadowless« und »Nessie« auch viele Pop- und Comedysongs. In der englischen Presse wurde er für seine Arbeit zur Jahrtausendfeier im Londoner Millennium Dome »Walking On The Sun« als neuer Andrew Llloyd Webber gefeiert. Bescheiden wie er ist, freut sich Alexander S. Bermange über diese (wahrlich nicht unerhebliche) Anerkennung und betont, dass er ‚einfach’ nur dass gemacht hat, was ihm am meisten Spaß macht: mit vielen unterschiedlichen Menschen zusammen zu arbeiten, voneinander zu lernen und auf diese Art eine wirklich gute Show auf die Beine zu stellen.


Da verwundert es wenig, wenn Alexander S. Bermange Zusammenarbeit als einen seiner zentralen Leitbegriffe bezeichnet. Ihm kommt es in erster Linie darauf an, dass Komponisten, Autoren, Darsteller, Regisseure etc. möglichst gut zusammenarbeiten: „Es ist nicht wichtig, dass sich die Kreativen, die hinter einer Show stehen, möglichst ähnlich sind; wenn man sich Andrew Llloyd Webber und Time Rice ansieht, ist es vielmehr so, dass gerade ihre sehr verschiedenen Charaktere die Kooperation in einer Weise befruchtet haben, dass zahlreiche sehr gute Musicals entstehen konnten.“


Der junge Komponist und Autor betrachtet die Entwicklungen im Musical-Business mit sehr kritischem Blick. Für ihn sind es nicht die großen kommerziellen Bühnenspektakel, die die musicalische Zukunft beherrschen werden, sondern es sollte – sowohl seitens der Kreativen als auch vom Publikum – wieder mehr Wert auf die Menschen und Inhalte gelegt werden. Eine gute Story, außergewöhnliche Musik und herausragende Künstler auf der Bühne sind die Hauptgründe, die er anführt, wenn man ihn danach fragt, warum die Menschen ins Theater gehen sollen.


Anhand dieser Schwerpunkte spürt man deutlich, dass für Alexander S. Bermange die Texte eine wesentliche Rolle spielen. So verwendet er unzählige Stunden darauf, Songtexte solange zu optimieren bis sie perfekt sind. Als Beispiel führt er an, dass sich die englischen Worte ryme und line in den Augen und Ohren vieler Autoren reimen – für ihn hält aber nur die Kombination aus ryme und time seinem Perfektionsanspruch stand.


Zurzeit arbeitet Alexander S. Bermange an mehreren Projekten gleichzeitig. Sein neuestes Werk »Weird And Wonderful« wurde am 06. Oktober 2002 in einem so genannten Try-Out einem kleinen Publikum in London präsentiert. Für dieses komische Stück über einige schräge Charaktere hat der Komponist und Autor viele seiner Comdey-Songs überarbeitet und zu einer witzigen Show zusammengestellt, die – nach der positiven Resonanz zu urteilen – schon im kommenden Jahr in London aufgeführt werden könnte.


Von der schweren Arbeit, die hinter den spritzig-komischen Texten dieser Comedy-Songs steckt, und der Sorgfalt, die Alexander S. Bermange für nahezu perfekte Texte aufwendet, konnte man sich auch auf dem Musical-Kongress überzeugen, auf dem mit Easy As A PC und I love to sing zwei dieser urkomischen Songs von unwahrscheinlich komödiantisch-talentierten Darstellern (Sebastian Kraft und Iris Schumacher, die ab Dezember bei »Titanic« spielen werden) interpretiert wurden.

Parallel zu »Weird And Wonderful«, das am 09. Februar seine zweite „Probeaufführung in einem Londoner Theater erlebte, arbeitet Alexander S. Bermange mit Hans-Jürgen Vosgerau (Produzent) und Wolfgang Adenberg (Übersetzung) an der deutschen Fassung von »Nessie«, die in den kommenden Monaten (ein genaues Timing steht noch nicht fest) auf einer deutschen Bühne zu sehen sein wird.


Außerdem gibt es noch kleinere Musicalprojekte, bei denen Alexander S. Bermange die Autorentätigkeit übernommen hat sowie CD-Produktionen, u. a. »Walking On The Sun« mit Felix Martin und René Knapp. Die Maxi-CD, die Ende Januar erscheinen ist, enthält fünf Songs von Alexander S. Bermange, die auch auf dem Musical-Kongress in Hamburg präsentiert wurden. Dazu zählen drei Versionen von »Walking On The Sun« (englisch, deutsch sowie eine “extended version“), »Pages of my life« und »Threshold of her heart«.


Das deutsche Publikum muss sich zwar noch etwas gedulden, bis es eines der Werke von diesem viel versprechenden jungen Künstler auf einer heimischen Bühne bewundern kann, aber das Warten lohnt sich hundertprozentig. Die Maxi-CD mit Felix Martin gibt bereits einen kleinen Vorgeschmack auf das, was von dem Londoner Komponisten und Autoren in Zukunft erwartet werden kann.


Mehr Informationen unter www.bermange.co.uk

Michaela Flint

veröffentlicht in blickpunkt musical

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