ALEXANDER KLAWS

2007

 
 

Michaela Flint: Sie stehen seit einem guten halben Jahr auf der Bühne des Theater des Westens. Wie sind Sie zum Musical und insbesondere zu „Tanz der Vampire“ gekommen?


Alexander Klaws: Musical war für mich schon immer Thema. Ich hatte großen Respekt vor den Künstlern, die Schauspiel, Gesang und häufig noch Tanz oder Extras wie Fechten miteinander vereinen und dabei so aussehen als hätten sie ihr ganzes Leben nichts anderes gemacht.

 Im letzten Herbst habe ich gerade mit den Arbeiten an meinem neuen Album begonnen als ich einen Anruf bekam und gefragt wurde, ob ich nicht an der Alfred-Audition teilnehmen wolle. Ich hatte „Tanz der Vampire“ in Hamburg gesehen und es hat mir damals nicht gefallen. Das lag aber vor allem daran, weil ich die Neue Flora zu groß fand; die Akustik war schlecht und durch das ganze hat dann die Atmosphäre des Stücks sehr gelitten.


Ich habe mir dann den Film angesehen und die Musik wieder und wieder angehört und bin dann zur Audition gegangen. Im Gegensatz zu dem, was viele denken, hatte ich keinen Promibonus, sondern habe ganz normal in der erste Runde vorgesungen, bin weitergekommen und habe mich dann in den Finals gegen die Kollegen durchgesetzt.


Michaela Flint: Dass Sie singen können, mussten sich sicherlich niemandem mehr beweisen, aber wie sah mit dem Schauspiel aus?


Alexander Klaws: Vor zwei Jahren habe ich an der Joop van den Ende Academy in Hamburg an einigen Workshops teilgenommen, weil mich Schauspiel sehr interessiert hat. Dort hat mich dann Joop van den Ende eines Tages gesehen und mir seine Unterstützung angeboten. Danach habe ich ein Jahr an der Academy studiert und mich vor allem neben Fechtunterricht, Sprecherziehung und Jazzdance in Gesang und Schauspiel ausbilden lassen.

Ich bin Alfred!

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Ich habe ein Jahr an der Academy studiert und in viele Bereiche hineingeschnuppert. Das war eine großartige Erfahrung.


Michaela Flint: Wie wurden Sie von Ihren Kollegen in Berlin, immerhin alles erfahrene Musical-Profis, aufgenommen? Gab es irgendwelche Ressentiments gegen den DSDS-Gewinner?


Alexander Klaws: Nein, es gab keine Vorbehalte. Einige kannte ich ja noch von der Academy, viele aber nicht. Ich hatte schon Skepsis erwartet, aber alle waren ganz offen. Ich bin eben als Neuling in eine Gruppe gekommen, in der sich viele schon kannten. Die meisten wollten nicht sehen, ob ich den Alfred spielen kann, sondern wie ich ihn spiele. Im Laufe der Proben wurde ich dann immer lockerer und das Team ist immer enger zusammengewachsen.


Michaela Flint: Wie haben Sie sich auf Ihre erste Musicalrolle vorbereitet?


Alexander Klaws: Ich habe den Film bestimmt 50 Mal geguckt, um herauszufinden wie Roman Polanski Alfred sieht und wer Alfred überhaupt ist. Mir geht es darum, die schüchterne und unbeholfene Art genauso glaubhaft zu zeigen wie die Tatsache, dass Alfred als wissenschaftlicher Assistent nicht nur ein Trottel sein kann. Da ist dann das Zusammenspiel mit dem Professor sehr wichtig. Wie verstehen sich die beiden, sind sie eher Vater und Sohn oder Lehrmeister und Schüler?
Während der Proben mit Veit Schäfermeier, der ja nur die ersten vier Wochen in Berlin mit dabei war, hat sich die Figur Alfred bei mir sehr stark entwickeln können.


Michaela Flint: Nachdem Sie jetzt einige Monate Erfahrungen sammeln konnten – wie gefällt Ihnen das Musicalbusiness?


Alexander Klaws: Es macht unglaublich viel Spaß und zugleich ist es ein anstrengender, harter Knochenjob. Man muss eine Rolle voll und ganz leben. Für mich war es daher genau die richtige Entscheidung, das neue Album nicht ‚nebenher’ zu produzieren, sondern es zu verschieben und mich total auf diesen Job und „Tanz der Vampire“ einzulassen. Ich kann im Musicalbusiness sehr viele wertvolle Erfahrungen sammeln und wenn man mit jemandem wie Roman Polanski zusammen arbeiten darf, kann man einfach nur noch zuschauen und lernen.


Michaela Flint: Wie sieht Ihr Alltag als Musicaldarsteller aus?


Alexander Klaws: Eigentlich gibt es für mich kein richtiges Leben mehr neben dem Engagement. Am Anfang fiel mir der psychische Wechsel von der Figur Alfred zu Alexander Klaws sehr schwer, deshalb war ich einfach nur Alfred. Das war kein Platz für irgendetwas anderes. Inzwischen bin ich im Schauspiel selbstbewusster und viel sicherer geworden. Seit einigen Wochen nehme ich mir wieder mehr Zeit für mich und bekomme viel Besuch von Freunden, mit denen ich etwas unternehme. Aber der disziplinierte Umgang mit meinen Kräften und die Schonung meiner Stimme haben bei allem Vorrang.


Michaela Flint: Schonung der Stimme? Ist Singen im Musical soviel anders?


Alexander Klaws: Ja, auf jeden Fall. Allein schon von der Stimmtechnik her. Ich bin nicht sehr erfahren im Musicalfach und habe erst an der Joop van der Academy richtig gelernt zu belten. In vielen Kritiken stand, dass ich stimmlich ja noch in meine Rolle hineinwachsen kann. Ich hab das nicht verstanden, denn die Zuschauer sind hier nicht bei einem Konzert von Alexander Klaws, sondern schauen sich ein Musical an, in dem ch eine Rolle spiele. Das war von Anfang an alles bewusst gesteuert. Alfred ist 18 Jahre alt, da kann ich nicht den Rocker rauskehren. Ich habe sehr viel Wert darauf gelegt, ganz sauber zu singen und nicht in Pop-Rock zu verfallen.
„Für Sarah“ war für mich am Anfang richtig schwer, weil es so tief ist, denn ich bin eine Art Bari-Tenor und Alfred eigentlich ein richtiger Bariton. Seit ich hier arbeite, habe ich eine halbe Oktave an Tiefe hinzugewonnen, was für mich eine große Sache ist.


Michaela Flint: Im Sommer haben sie sechs Wochen frei, um Ihr neues Album aufzunehmen. Können sie uns dazu schon was erzählen? Wird es stilistisch dem letzten Album ähneln oder bekommen wir einen ganz neuen Alexander Klaws zu hören?


Alexander Klaws: Ich freue mich sehr auf diesen neuen Schritt und dem Weiterbasteln an meiner langfristigen Karriere. Die Wochen in Hamburg werden harte Arbeit, ich werde jeden Tag im studio sein und viel Stress haben. Aber andererseits ist es auch mal ganz gut, etwas Abstand zu gewinnen und mit Thomas Klotz habe ich einen tollen Kollegen, der mich bis zum Herbst vertritt, denn natürlich komme ich wieder hierher zurück.
Auf der neuen CD werde ich nur auf deutsch singen. Das ist für mich sehr viel schwerer als englisch, den damit bin ich gesanglich aufgewachsen. Jeder hat in seiner Muttersprache eine ganze eigene Ausdrucksweise und die muss ich für mich erst einmal finden. Mir ist das deutsch aber sehr wichtig, weil ich meine Geschichten in meinen Texten erzähle und die kann niemand anderer für mich singen.
Das Album wird auf jeden Fall wieder rockiger sein und meine Live-Band wird mit mir zusammen im Studio sein. Aber stilistisch kann ich mich jetzt noch gar nicht so festlegen, da das alles noch im Entstehungsprozess ist.


Michaela Flint: Komponieren bzw. texten Sie eigentlich selbst?


Alexander Klaws: Es ist eine Gabe, Songs und Texte richtig z verpacken. Dafür braucht man viel Erfahrung. Selbst wenn ich das möchte und immer wieder versuche, bin ich noch nicht so weit. Es hakt immer mal wieder an einigen Stellen. Dann hole ich mir Hilfe aus meinem Team und werde so zum Co-Writer. Ich kann also sagen, dass ich meine Texte singen werde, die mit Hilfe eines anderen zusammengefasst wurden.


Michaela Flint: Muss man sich als Künstler nicht auch ein Stück weit immer wieder selbst erfinden, um im Gespräch zu belieben?


Alexander Klaws: Ja, das ist in meinen Augen das Besondere an einem Superstar, um  -dieses schlimme Wort einmal zu benutzen und als der ich mich um Himmels willen nicht sehe. Man muss immer an seiner Stimme und sich selbst arbeiten und das Gefühl haben, weiterzukommen. Ich möchte die Menschen überraschen, indem ich ihnen immer wieder eine neue Seite von mir zeige. Dazu gehört Vielseitigkeit unbedingt. Für mich ist es wichtig, authentisch zu sein und nicht nur das zu machen, was ich möchte, sondern auch das, wo ich mich selbst drin erkenne.


Michaela Flint: Gibt es in Ihrer musikalischen oder auch persönlichen Entwicklung jemanden, der Sie besonders geprägt hat?


Alexander Klaws: Auf der Bühne ist das ganz klar Robbie Williams. Ich habe ihn für seine Leistung als Sänger und Entertainer schon immer bewundert. Dieses Weiterkämpfen und geradeaus gucken, egal was kommt, ist sehr beeindruckend.
Außerdem liebe ich Live-Bands, deshalb orientiere ich mich gern an U2 oder auch Coldplay. Es gab eine Phase, in der ich nur Coldplay gehört habe. Gerade wenn ich mich auf ein neues Album vorbereite, höre ich fast nur Musik, bin sehr in mich gekehrt und hänge meinen Gedanken nach, um neue Inspiration zu bekommen. Und diese drei setzen für mich Maßstäbe.


Michaela Flint: Mit Ihren 23 Jahren haben Sie schon einige Höhepunkte und Tiefschläge in Ihrer Karriere erlebt. Können Sie sich von diesen Außeneinflüssen abschotten?


Alexander Klaws: Bei aller Professionalität bin ich immer noch ein Mensch und natürlich lasse ich Kritik an mich heran, die ich auch brauche um mich weiterzuentwickeln.  Auch Kritiken in ein bis zwei Zeitungen haben mich am Anfang sehr aufgeregt, weil manche Zeitungen nicht verstanden haben, dass hier im Theater des Westens Alfred wichtig ist und nicht Alexander Klaws und deshalb, so schien es zumindest, bewusst negativ geschrieben haben.
Bestimmt gibt es Zuschauer, die herkommen, weil sie Alexander Klaws sehen wollen. Aber würden sie mich auch so kritisieren wenn ich nicht bei DSDS gewesen wäre und einfach nur den Alfred spielen würde? Wichtig ist mir, dass sich jeder selbst eine Meinung bildet. Denn die Presse schreibt eh, was sie möchte. Die Zeit ist zu schade und das Leben zu kurz und schön, sich über so etwas aufzuregen und mein Ziel ist schließlich den Leuten mit Alfred Spaß und Freude zu bereiten und allen ein paar schöne Stunden beim „Tanz der Vampire“ mit viel Komik und Herz zu bringen. Wenn ich das schaffe, ist mir alles andere egal!

Ich bin der kleine Beweis, der gern größer werden möchte, dass es immer Hoffnung gibt. Es gibt immer Phasen im Leben, wo es nicht so läuft, wie man es sich wünscht. Und plötzlich kommen wieder Angebote und es geht wieder bergauf. Man muss einfach nur an sich selbst glauben.


Michaela Flint: Wofür schlägt Ihr Herz mehr: Musicals spielen oder eigene Songs singen?


Alexander Klaws: Meine Leidenschaft für Musik wird immer an erster Stelle stehen, aber es macht mir sehr viel Spaß in andere Rollen zu schlüpfen und wer weiß, was da noch kommt. Wenn das Album fertig ist, werde ich erst einmal auf Tour gehen und wenn nicht wieder so etwas wie „Tanz der Vampire“ dazwischen kommt, nehme ich nächstes Jahr schon das nächste Album in Angriff.


Michaela Flint: Jetzt wünschen wir Ihnen aber erst einmal eine schöne, erfolgreiche Zeit in Hamburg und freuen uns auf Ihr neues Album. Vielen Dank für dieses nette Gespräch.


Mehr Informationen unter www.alexanderklaws.de


Michaela Flint

veröffentlicht in blickpunkt musical

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