DARIUS MERSTEIN-MACLEOD

2005

 
 

Darius Merstein-MacLeod ist ein Mann für schräge Musicalcharaktere: ob nun Jekyll/Hyde, Judas oder jetzt der Teufel persönlich. blickpunkt musical traf den umtriebigen Darsteller einen Tag nach der „Poe“-Premiere in München.


Die Arbeit in dem Musicalzelt ist für die Sängerinnen und Sänger von „Poe“ nicht ganz ohne. „Die Luft ist sehr, sehr trocken hier. Ich möchte nicht wissen, wie viele von uns jeden Abend mit Nasenbluten nach Haus gehen. Es sind auf jeden Fall eine ganze Menge, die damit zu kämpfen haben“ schildert der gebürtige Pole die äußeren Umstände auf dem Tollwood-Festival. Dennoch ist die Premiere sehr gut verlaufen und das „Publikum hat uns sehr gut aufgenommen.“


Obwohl es sich um das eingespielte Team aus Saarbrücken handelt, dass in München gemeinsam auf der Bühne steht, waren doch etwas umfang-reichere Proben notwendig: „Die Show wurde um 20 Minuten gekürzt, das heißt, dass wir die Choreographien und Stagings überarbeiten und neu lernen mussten. Dafür hatten wir vor der Premiere 4-5 Tage Zeit, an denen wir dann jeweils 12-14 Stunden geprobt haben.“ „Poe“ in München wird noch aus einem anderen Grund unter erschwerten Bedingungen gespielt – es gibt keine Cover: „Wenn einer von uns krank wird, müssen wir uns sehr gut überlegen, was wir dann machen.“


Trotz dieser widrigen Umstände gerät Darius Merstein-MacLeod regelrecht in Schwärmen, wenn er von „Poe“ erzählt: „Die Musik ist einfach großartig. Es ist nicht das Musical-Einerlei, was man so kennt. Pilatus als Rolle ist phantastisch. Das Teuflische an ihm macht mir viel Spaß.


Obwohl ich auch sehr diszipliniert sein muss, denn ich mische mich zwar unter die Tänzer und Schauspieler, bleibe aber ein „Gegenstand“, was bedeutet, dass ich nicht mittanzen darf.“ Glaubt man dem sympathischen Darsteller, ist es gar nicht so schwer, den Teufel zu spielen.

Darius Merstein-MacLeod als Poe’s Pilatus

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„Ich habe das Buch gelesen und wusste sofort, dass ich diese Rolle spielen wollte. Es ist viel einfacher einen bösen Charakter zu spielen, als einen netten.“


So verwundert es dann auch wenig, dass Jekyll/Hyde zu seinem Lieblingsparts gehört: „Wo sonst kann ein Darsteller einen so schizophrenen Menschen spielen? Im Bruchteil von Sekunden diese Verwandlung nicht nur zu zeigen, sondern auch zu spüren, ist schon eine besondere Herausforderung, Und natürlich gibt es kein anderes Musical, in dem ein Darsteller mit sich selbst ein Duett singen darf. Das ist zwar hart, aber man weiß am Ende des Tages, was man geleistet hat.“


Auch als Jesus Christ Superstar, eine der ersten Rollen, die Darius Merstein-MacLeod je gespielt hat, fühlt er sich wohl: „Irgendwann möchte ich diese Rolle unbedingt noch einmal spielen – am liebsten auf englisch. Diese Rolle hat sehr viel mit privaten Emotionen zu tun. Auch wenn es nur einmal sein sollte – noch einmal Jesus zu spielen, ist ein großer Wunsch von mir.“ unterstreicht er seine Begeisterung für diese Rolle.


Nach „Jekyll & Hyde“ hat man Darius Merstein-MacLeod an einigen Stadttheatern gesehen, aber in keiner großen Ensuite-Produktion mehr: „Das liegt auch mit daran, dass ich dort in den Auditions aus welchen Gründen auch immer, keinen Erfolg hatte. Aber der Vorteil ist, dass ich dadurch an vielen Stadttheatern mein Spektrum erweitern kann. Ensuite zu spielen, bringt eine gewisse Bequemlichkeit, aber auch finanzielle Sicherheit mit sich. Aber an kleineren Theatern hat man mehr Möglichkeiten, dem Publikum andere musikalische und schauspielerische Facetten von sich zu zeigen und Rollen mit zu gestalten.“ Ein weiteres Plus ist, dass der Musicaldarsteller sich seinen „Hobbies“ Komponieren und Regieführen widmen kann: „Musik ist seit meinem sechsten Lebensjahr mein Leben. Damals stand ich zum ersten Mal auf der Bühne. Ich werde immer irgendetwas mit Musik machen. Sollte ich einmal nicht mehr selbst auf der Bühne stehen, bleibe ich dem Theater auf jeden Fall verbunden – ob nun als Regisseur, Lichtdesigner, Maskenbildner usw. Das gehört alles zusammen und ich kann mich gut in die Kollegen hinter der Bühne hineinversetzen.“


Silvester ging „Poe“ zum letzten Mal in München über die Bühne. Neue Termine in Saarbrücken sind geplant und sicherlich wird auch Darius Merstein-MacLeod dann wieder mit von der Partie sein.


Mehr Informationen unter www.darius-merstein.de


Michaela Flint

veröffentlicht in blickpunkt musical

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