EARL CARPENTER

2014

 
 

Michaela Flint: Die offensichtlichste Frage muss lauten: Warum sind Sie heute Abend hier im Imperial Theater als musikalischer Gast bei „Buddy Holly Reloaded“ dabei?


Earl Carpenter: Ich weiß nicht, woher es kommt, aber ich fühle mich eng mit Deutschland verbunden. Ich wollte schon immer hierher kommen. Während der BB Promotion Tour von „Evita“, bei der ich als Perón auf der Bühne stand, habe ich mich in dieses Land verliebt.


Ich mag auch die deutsche Sprache sehr. Als kleiner Junge habe ich in Saudi-Arabien gelebt. Arabisch und deutsch sind sich ziemlich ähnlich und ich liebe es, dem Klang der Worte zuzuhören.


Ich kenne Hauke und seine Frau Jacqui schon seit mehr als 15 Jahren und als sie mich vor 3-4 Wochen anriefen - ich spielte noch Javert in „Les Misérables“ in Toronto - konnte ich gar nicht anders als zusagen. Als ich dann noch erfuhr, dass auch Drew Sarich, mit dem ich 2008 in London „Les Misérables“ gespielt habe, mit dabei sein würde, habe ich mich umso mehr darauf gefreut, heute Abend die Band von „Buddy Holly“ zu unterstützen.
Und hier sind wir nun, in einem ehemaligen Sexkino, und ich liebe es!


Michaela Flint: Die Zuschauer mögen Shows wie „Buddy Holly Reloaded“ sehr...


Earl Carpenter: Ja, ich denke, sie funktionieren überall - egal ob hier in Deutschland oder anderswo. Die Jungs sind tolle Musiker, sie sind schlagfertig und werfen sich die Bälle gekonnt zu und das Publikum mag die Energie und den Spaß, den sie über die Rampe bringen. Meiner Meinung nach, kann es nicht genug von solchen Shows geben - sie machen allen soviel Freude.

Internationaler Musicalstar auf Stippvisite in Hamburg

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Das ist der Grund, warum Menschen ins Theater gehen. Für uns Briten war das Theater in Krisenzeiten immer ein Zufluchtsort, um sich von der Realität abzulenken und ihr einige Zeit zu entfliehen. Manchmal nimmt sich das Theater selbst zu ernst und vergisst, wer sein Publikum ist. Und „Buddy Holly Reloaded“ zeigt genau, wie man es richtig macht!


Michaela Flint: Sie haben Javert in „Les Misérables“ und die Titelrolle im „Phantom der Oper“ gespielt. Können Sie den Zauber dieser Musicals erklären - so unterschiedlich sie auch sein mögen?


Earl Carpenter: Wenn ich das Geheimnis dieser Stücke kennen würde, wäre ich Millionär! Ich denke, es sind vor allem ihren großartigen, unglaublichen guten Geschichten:  „Phantom der Oper“ ist die klassische „Die Schöne und das Biest“-Geschichte. Und bei „Les Misérables“ kann sich jeder mit den Charakteren identifizieren. Es ist wie in einem Shakespeare-Stück: Man hat seine Protagonisten, die viel über sich und ihr Leben sinnieren, und so fällt es dem Publikum leicht, die Struktur des Stücks zu verstehen.


Bei den Original-Produktionen hatte man auf der Bühne eigentlich nur schwarze Rahmen, die Schauspieler und minimale Kulissen. Das ganze Storytelling hängt vom Darsteller ab. Ich denke, dass ist es, was diese Musicals so besonders macht: Sie geben nicht allzuviel Informationen vor, sondern überlassen es dem Zuschauer, das Bild für sich selbst zu vervollständigen. Das ist der Grund, weshalb diese Shows seit fast 30 Jahren erfolgreich sind.


Michaela Flint: Sie haben nahezu alle großen Musicalrollen gespielt. Gab es eine, die Sie besonders mochten?


Earl Carpenter: Sie sind alle besonders. Jede einzelne bedeutete zu dem Zeitpunkt in meinem Leben, wo ich sie spielte, viel für mich. Ich arbeite seit 20 Jahren in diesem Business und ich kann nicht sagen, dass es ein Musical gibt, das ich besonders gern mag - sie sind alle wundervoll.


Michaela Flint: Meine Standardfrage darf natürlich nicht fehlen: Gibt es eine Rolle, die Sie gern noch spielen würden?


Earl Carpenter: Im Moment lasse ich ich etwas treiben. Ich bin in der glücklichen Lage, dass ich alle großen Musicalrollen bereits spielen durfte und im Moment weiß ich wirklich nicht, was als nächstes kommt.
Nach Toronto zu gehen, nach Hamburg zu kommen - beides zeigt mir, dass es noch so viel mehr gibt außerhalb Englands und weit weg vom West End. Das ist wirklich spannend. Erst kürzlich habe ich bewusst wahrgenommen, dass es noch viel mehr gibt. Ich würde beispielsweise sehr gern einmal den Graf von Krolock in „Tanz der Vampire“ spielen.


Michaela Flint: Vor ein paar Jahren wurde mal versucht, eine abgeänderte Version davon am Broadway zu etablieren...


Earl Carpenter: Ja, aber das war wirklich eine komplett andere Show. Sie hätte so sein sollen wie hier in Deutschland oder in Wien: dunkel, sexy, komisch, wenn es passt. Aber das Stück komplett zu verändern, nur um jedem zu gefallen, war nicht erfolgversprechend.


Michaela Flint: Also wird man Sie eines Tages auch auf einer deutschen Musicalbühne sehen?


Earl Carpenter: Oh ja. Und ich nehme nur allzugern die Herausforderung an, dafür richtig Deutsch zu lernen. Wie ich bereits sagte: Ich mag diese Sprache sehr.


Michaela Flint: Welche West End Show würden Sie zurzeit empfehlen?


Earl Carpenter: Ehrlich gesagt, habe ich keine Ahnung. Ich war monatelang nicht in London und weiß gar nicht, was dort gezeigt wird. Aber selbst, wenn ich dort gewesen wäre, hätte ich ja vermutlich selbst auf der Bühne gestanden und keine Zeit gehabt, andere Shows anzuschauen. Das vermisse ich schon sehr.

Aber ich ziehe es sowieso vor, auf Tour zu sein. ich liebe das Gefühl, jeden Abend ein neues Publikum zu erobern. Mir macht es mehr Spaß, jeden Abend in einem anderen Theater zu spielen als dauerhaft in London. Man wird von mehr Menschen gesehen, bekommt eine größere mediale Aufmerksamkeit. Ich fühlte mich immer wie ein Reisender und wollte in Bewegung bleiben.


Michaela Flint: Apropos Tour: Die Zuschauer können es kaum erwarten, dass „The Three Phantoms“ wieder auf UK-Tour gehen. Wird dies in naher Zukunft geschehen?


Earl Carpenter: Wir führen zurzeit viele Gespräche, aber bisher ist noch nichts entschieden.


Michaela Flint: Vielen Dank für Ihre Zeit. ich bin sehr gespannt, auf welcher Bühne wir Sie in Zukunft sehen werden.

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