2016

EVITA

 
 

„Eva Peron ist tot. Ihr Landsmann Che, der fortan als außenstehender Kommentator fungiert, beschreibt zynisch die Ergriffenheit des Volkes.“ (Zitat von der Website der Burgfestspiele Bad Vilbel)

Tatsächlich verkündet ein lächelnder Zirkusdirektor (sehr gute Mimik: Randy Diamond) den Tod der First Lady Argentiniens. Das anschließende (kaum hörbare) Peitschenknallen wirkt etwas deplatziert, doch man ist neugierig, was sich aus diesem ungewöhnlichen Auftakt entwickelt.


In der Folge agiert Diamond nicht nur als Erzähler und Wegbegleiter Evitas, vielmehr lässt ihn Benedikt Borrmann (Regie) auch als eine Art Puppenspieler die Geschicke der Protagnisten leiten. Angedeutet wird dies bei „Glitter und Glanz“, unzweifelhaft sichtbar wird diese Absicht beim Kennenlernen von Perón und Evita („Ich wäre wirklich sehr gut für dich“) und wenn er Evita, die der Geliebten Peróns mit (unverständ-lichem) Mitleid gegenübersteht, offenbar gegen ihren Willen mit sich zieht.

Eine gute Regie-Idee allein reicht nicht aus, um zu überzeugen

Leider geht dieser an sich sehr schöne Regiekniff nicht auf, da diese Linie nicht konsequent durchgezogen wird. Allzuoft fällt Diamond aus der Strippenzieherrolle heraus und agiert als Teil des Ensembles. Schade, denn dieser Ansatz hat definitiv was für sich.


Die restlichen Figuren sind klassisch angelegt, es gibt keinerlei Überraschungen in der Ausprägung der Charaktere. Besonders gut gefällt Raphael Koeb als schleimig-unsympathischer Magaldi: Er kann sowohl vom Habitus als auch gesanglich überzeugen. Auch Janne Marie Peters (Peróns Geliebte) zeigt mit ihrem Solo („Wohin soll ich jetzt geh'n?“), dass in Bad Vilbel durchaus gute Sänger zu erleben sind.


Leider kann ausgerechnet Maria Mucha dieses Niveau nicht halten. Mehrfach hört man von ihr schiefe Töne, teilweise sogar ganze Songs in einer falschen Stimmlage (bspw. „Tschüss und danke“). Auch schauspielerisch gelingt es ihr nicht die Zielstrebigkeit und Skrupellosigkeit Evitas nachzuzeichnen. Sie bleibt insgesamt eher unauffällig.


Jonathan Agar gibt in bester J. R. Ewing-Manier einen alles andere als steifen, schüchternen Perón. Er ist optisch einschüchternd und macht so gar nicht den Eindruck als bräuchte er eine kleine Schauspielerin, die ihm den weiteren politischen Weg aufzeigt.


Nein, diese Inszenierung kann insgesamt nicht überzeugen. Auch wenn optisch gute Arbeit geleistet wurde (Bühne: Pia Oertel/Anja Müller, Kostüme: Anja Müller) und die (leider viel zu oft asynchronen und unsauberen) Tanzszenen (Choreografie: Lillian Stillwell) allein schon ob des großen Ensembles (insgesamt stehen mit der Statisterie mehr als 20 Darsteller auf der Bühne) gut wirken, es fehlt das gewisse Etwas. Vieles wird angedeutet, ist aber nicht bis zu Ende durchgestaged.


Was bleibt, sind einige wenige gute inszenatorische Ideen, die aber im mittelmäßigen Gesamtkanton leider untergehen.


Michaela Flint