PARADE

2011

 
 

Are all musicals colourful, easy to enjoy and providing high spirits to the audience? That might be true for many current shows, but there also are

thematically demanding, intentionally darkly staged pieces whose stories cause a lot of questions and leave back a deranged audience.


This is what happens to the audience at Jason Robert Browns „Parade“ at the Southwark Playhouse in several ways: Once you have found the the hidden theatre in the vaults of London Bridge Station, you‘ll get rewarded by a unique scenery.


The audience‘s seats are located on the right and left wall of the dark and moistly vaults. The stage is in the middle of the long room. At both fronts are balconys that are included in the show, too. The band is also playing under one of these balconys.


„Parade“ is based on the true story of Leo Frank, a Jewish factory manager, who lives in the US American south state village Marietta. In

Brilliantly oppressive - a musical for head & heart

1913 he was accused and convicted of raping and murdering an employee, although he wasn‘t guilty. Due to his detailed review of problems with his trial Leo succeded in being transferred to another jail. There he was seized and kidnapped and hanged from an oak tree in the victim‘s home town. The medial attendance of the trail an the investigation of Frank‘s insidious murder let to the revival of the Ku Klux Klan and the birth of the ADL (Anti-Defamation League), a Jewish Civil Rights organization.


Jason Robert Brown definitely didn‘t choose a light entertainment topic.


The musical (book by Alfred Uhry) describes the different characters and their motives. It furthermore shows how the chivvy of Leo Frank became possible. The opening scene puts the audience to the American civil war: Young soldiers say goodbye t their families and wives. In the next scene, it‘s 1913 now, one of the veterans prepares to attend the Confederate Memorial Day Parade.


Leo Frank who left New York to marry his Lucille in Atlanta, Georgia, doesn‘t feel very comfortable in this atmosphere. He focusses on his job and thus distances himself from his wife.

http://vg04.met.vgwort.de/na/1ea41c3927344622b004ba1900805610

At the same time young Frankie and Mary are flirting in the streets. Mary rejects Frankie‘s invitation to go to the cinema and turns around to go an get her pay from Leo Frank. Leo gives her the money and the girl happily leaves his office.


In the next scene police men rouse Leo from his sleep and take him to the factory, where they find the cruelly murdered Mary. First the police suspects the afro-american night watchman, but he can proof his innocence. The watchman laverts suspiscion to Leo who gets imprisoned  immediately.

The police detective get under pressure from the governor. The latter also acts under pressure because of the upcoming elections

and the necessary positive media work. He then finds a former criminal who gives false testimony against Leo.


Entsetzt von der Brutalität der Tat und voller Mitgefühl für Marys arme leidende Mutter, stachelt sich die Dorfbevölkerung gegenseitig immer weiter auf. Ein übereifriger Reporter tut ein übriges und bei der Verhandlung kommt es zu zahlreichen Falschaussagen, die letztlich alle darauf fußen, dass keiner Leo wirklich kennt. Vorurteile über Juden und reiche Nordstaatler häufen sich. Auch sein Anwalt kann gegen diese scheinbare Übermacht nichts ausrichten und Leo wird zum Tod verurteilt.


Leo selbst, ein wenig emotionaler, sehr kopfgesteuerter Mensch, fängt sofort an, Beweise für seine Unschuld zusammen zu tragen. Lucille, die davon überzeugt ist, dass ihr Mann dem Mädchen nichts getan hat, unterstützt ihn so gut sie kann. Nach vielen Monaten erreichen sie ihr Ziel und wähnen sich in Sicherheit und Leo so gut wie frei. Leo bekommt eine zweite Chance, er wird in ein anderes Gefängnis verlegt und sein Verfahren wieder neu aufgerollt. Doch am Tag vor der Wiederaufnahme wird Leo aus dem Gefängnis entführt und von seinen Feinden, die immer noch in ihrer Hasswelt gefangen sind, an einem Baum erhängt.

Das Finale bildet die erneute Vorbereitung des Dorfes auf die anstehende Memorial Day Parade. In diesem Trubel legt Lucille auch einen Kranz für ihren Mann nieder.

Die 15 Darsteller im Southwark Playhouse agieren ergreifend - jeder scheint voll in seiner Rolle aufzugehen. Die Zuschauer können das Phänomen Gruppenzwang hautnah nachempfinden, wenn die Dorfgemeinschaft angestachelt durch die Presse und das eigene Entsetzen über das schreckliche Geschehen reihenweise zu Falschaussagen hingerissen wird. Gewissensbisse sind bei den meisten  Fehlanzeige. Dies ändert sich jedoch im Laufe des Stücks und das Publikum schwankt zwischen verständnisvollem Mitgefühl und fragendem Widerwillen.


Besonders Samuel L. Weir ragt hier heraus. Zu Beginn der mit Mary flirtende Teenager Frankie Ebbs - liebenswürdig, frech, ein herzensguter und loyaler Junge, entwickelt er sich zu einem vom Schmerz zerrissenen, hasserfüllten Mann, der um jeden Preis einen Schuldigen finden will.

Diese große emotionale Bandbreite verkörpert der junge Darsteller glaubhaft bis in die Fingerspitzen.


Die beiden Leading Ladies verleihen ihrer Trauer - wenn auch aus grundverschiedenen Anlässen - sehr nachdrücklich Ausdruck. Samantha Seager (bekannt auch der TV-Soap „Coronation Street“) bekommt als trauernde Mutter das Mitgefühl des ganzen Publikums. Man versteht ihre

Ratlosigkeit, ihre Wut auf den vermeintlichen Mörder ihrer Tochter und möchte sie einfach nur trösten.


Laura Pitt-Pulford gibt als Lucille zunächst die bemitleidenswerte Ehefrau eines Perfektionisten, der über seine Arbeit seine Frau total vergisst. ihre überbordende Energie bricht sich Bahn, wenn sie - überzeugt von der Unschuld Leos - den Verschmähungen des Dorfes standhalten muss und gleichzeitig ihrem zum Tod verurteilten Mann zur Seite steht. Ihr Bedauern und ihre tiefe Trauer sind übermächtig; während ihrer Soli hört man häufiges Schluchzen im Publikum.


Für die Hauptrolle des Leo Frank wurde Alastair Brookshaw engagiert. Dass sich der New Yorker Leo im Süden des Landes nicht wohl fühlt und sich nach Manhattan zurücksehnt, glaubt man ihm sofort. Er wirkt irgendwie fehl am Platz. Auch dass er dieses Unwohlsein und die Abscheu gegen die seiner Meinung nach plumpen Dorfbewohner mit einem hohen Grad an Arbeitseifer wettzumachen versucht, scheint nur zu verständlich. Seine gefühlvolle Seite kommt - erst viel zu spät - im Gefängnis zum Tragen. Doch trotz der schier aussichtslosen Lage verzweifelt er nicht, sondern kämpft.

Brookshaw verschwindet vollständig in dieser Darstellung. Erst als zum Finale ein meterhohes Foto des erhängten Leo Frank entrollt wird, kann das Publikum den Schauspieler Brookshaw wieder von der wahren Geschichte über Leo Frank trennen.


„Parade“ zeigt auf beklemmende Art und Weise, wie sich Menschen unter Druck verändern, wie sie einem vermeintlichen Leitwolf hinterherlaufen und sich dadurch das Schicksal einzelner Menschen gegen jede Logik und Wahrheit entwickelt. Gleichzeitig wird die Geschichte aus verschiedenen individuellen Blickwinkeln beleuchtet und man kann die Beweggründe für das Handeln der einzelner Charaktere verstehen.

Auch musikalisch nimmt Brown diesen Facettenreichtum auf. Man hört die für die Südstaaten typischen Dixieklänge, im Rahmen der Memorial Day Parade ergänzt durch Marschmusik, die je nach Tempo fröhlich oder bedrohlich klingen kann. Brown zeigt auch in diesem frühen Werk, dass er die verschiedenen emotionalen Stadien einer Beziehung in Musik umsetzen kann - es gibt unendliche traurige Balladen, visionäre Hymnen und fröhliche Musicalsounds. Kein Wunder, dass Brown für diese Kompositionen 1999 mit dem Tony Award belohnt wurde.


Für die Zuschauer ist „Parade“ eine emotionale Achterbahnfahrt. Man wird anfangs von fröhlichen Jugendlichen mitgerissen, die gemeinsam mit Erwachsenen ihre Helden aus dem Bürgerkrieg feiern. Man leidet zutiefst mit Mary‘s Mutter und unterstützt die Bevölkerung innerlich bei der Bewältigung des grausligen Szenarios. Dass der Reporter und der Gouverneur die Menschen gegen Leo antreiben, ist sehr aufwühlend. Der lebensfrohen Lucille beim Zerbrechen ihres Lebenstraum zusehen zu müssen, ist sehr ergreifend. Fast alle kämpfen beim finalen Zusammentreffen von Lucille und Leo und dem anschließenden heimtückischen Mord an dem Gefangenen mit Tränen - nicht wenige lassen ihren Gefühlen hier freien Lauf. Auch die Cast lässt sich von der musikalischen und inhaltlichen Intensität dieses Stücks mitreißen - selten habe ich soviele  Tränen bei einem Ensemble gesehen.


Zugegeben, ich bin vollkommen aufgelöst aus dem Theater gekommen und brauchte einige Zeit, um das Gesehene zu verarbeiten. Und doch bleibt „Parade“ mir positiv in Erinnerung. Ein Musical mit Tiefgang, Anspruch und Genialität - in allen Bereichen! Nach solchen Diamanten muss man heutzutage suchen.


Michaela Flint

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