DAS PHANTOM DER OPER

2012

 
 

Mit drei außergewöhnlichen Vorstellungen seines Musical-Welthits „Das Phantom der Oper“ in der Londoner Royal Albert Hall bedankte sich Andrew Lloyd Webber für 25 Jahre ungebrochener Begeisterung und Treue der Zuschauer.


Die Lebensgeschichte des genialen, aber von der Welt missachteten und misshandelten Phantom der Oper läuft seit 1986 ohne Unterbrechung im Her Majesty‘s Theatre in London. Abermillionen Zuschauer haben dieses Stück weltweit gesehen und ein Ende scheint nicht in Sicht. Auch die Fortsetzung „Love Never Dies“ konnte bei weitem nicht an die Erfolge des Originals heranreichen.


Mit diesen Jubiläums-Aufführungen haben sich Andrew Lloyd Webber und Cameron Mackintosh selbst übertroffen und für alle, die im Oktober 2011 in London nicht dabei sein konnten, gibt es seit Februar 2012 die DVD mit der Live-Aufzeichnung aus der beeindruckenden Royal Albert Hall.

25 Jahre und kein bisschen langweilig!

Der Star der Show ist selbstverständlich auch hier das Phantom der Oper. Ramin Karimloo spielt und singt sehr eindrucksvoll. Seine Energie ist ansteckend und seine gefühlvolle, manchmal recht harsche Stimme zeigen die verschiedenen Facetten des Phantoms glaubhaft und deutlich auf. Wie er zu dieser Rolle gekommen ist, erzählt er hier.


Doch auch Sierra Boggess und Hadley Fraser müssen sich nicht verstecken. Beide geben ihren Charakteren einen jungen Anstrich und geben der Liebesgeschichte mehr Schwung. Gesanglich ist Sierra Boggess deutlich energischer und weniger lieblich als ihre vielen Vorgängerinnen, doch das steht Christine Daaé durchaus gut zu Gesicht. Hadley Fraser verleiht dem glücklosen Raoul mehr Gefühl und macht ihn dadurch anfassbarer. Er wirkt lange nicht so blass wie man es leider sonst so oft erlebt hat.

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Herausgekommen ist eine brillante Show, die den 80er Jahre Charme des „Phantoms der Oper“ mit modernsten Mitteln auf die Bühne bringt. Das Musical hat nichts von seiner Strahlkraft und Intensität verloren - im Gegenteil. Die Vielfalt an Kostümen, der voluminöse Klang des fast 50-köpfigen Orchesters, die genialen Einfälle von Licht- und Videotechnik, die bekannten und doch irgendwie viel größeren Kulissen und nicht zuletzt die exzellenten Darsteller machen dieses 25-jährige Jubiläum zu einem Event, das man gesehen haben muss!


Zum großen Finale betritt der Schöpfer selbst die Bühne. Wenn Demut einen Namen hat, dann lautet dieser Andrew Lloyd Webber: Sehr ergriffen und ehrfürchtig steht er inmitten der 140 Darsteller. Als er dem Publikum seine Mitstreiter der ersten Stunde vorstellt, fließen Tränen - besonders als er Sarah Brightman, seinen „Engel der Muse“, auf die Bühne holt und diese gemeinsam mit Peter Jöback, John Owen-Jones, Ramin Karimloo, Anthony Warlow, Colm Wilkinson eine einmalige Version der „Music of the Night“ zum Besten gibt.


Als Bonus gibt es auf der DVD noch ein kurzes Making-Of, welches exklusive Einblicke in den Entstehungsprozess dieser Vorstellungen gibt. Man erfährt etwas über die eigens für die DVD-Produktion entwickelte Phantom-Maske, die Herausforderung, einen Kronleuchter in der Royal Albert Hall anzubringen und fast viermal soviele Kostüme zu produzieren als üblicherweise in einer normalen „Phantom der Oper“-Produktion im Einsatz sind.


Solch imposante und berührende Geburtstagsfeiern wünscht man sich von vielen Musicals. Doch tatsächlich gibt es neben dem „Phantom der Oper“ und „Les Miserables“ kaum Produktionen, die über ein Vierteljahrhundert ohne Unterbrechung in einer Stadt gespielt wurden. Eigentlich fällt einem da nur der „Starlight Express“ in Bochum ein, der 2013 sein 25-jähriges Jubiläum feiert... Mal sehen, was man sich dort einfallen lässt, um diesen Ehrentag zu begehen.


Michaela Flint

Das Geheimnis dieses Musicals ist sicherlich seine Klarheit. Es geht um eine zentrale Figur und deren Liebe zur Musik und einer ganz bestimmten Frau. Das ist für jeden gut nachzuvollziehen.


Das Setting in einer Zeit, die von reichhaltigen Dekorationen lebte, die Musik, die von Operette bis Pop alles abdeckt und sich nachhaltig in das Gehör der Zuschauer einprägt - all dies macht die perfekte Show aus.


Die Kreativen haben einen Fehler nicht begangen: Das „Phantom der Oper“ von 2012 ist noch genauso wie das von 1986. Änderungen wurden nur in allerkleinstem Rahmen vorgenommen. Dieser rote Faden zieht sich auch durch die Jubiläums-Vorstellungen: Anstatt einer konzertanten Aufführung wurde das komplette Set in die Royal Albert Hall integriert, so dass man das Musical in der gewohnten Umgebung inszenieren konnte.


Natürlich ist alles deutlich größer als in einem richtigen Theater: mehr Darsteller auf der Bühne, mehr Musiker auf der Orchesterbrücke, mehr Kreative hinter der Bühne - und doch erkennt man alles wieder. Dies liegt aber auch daran, dass das Kreativteam: Andrew Lloyd Webber, Cameron Mackintosh, Gillian Lynne, Maria Björnson massgeblich am Entstehungsprozess dieser Vorstellungen beteiligt war.