SÖREN FENNER

2007

 
 

Seit fünfeinhalb ist www.theaterjobs.de eine der ersten Anlaufstellen, wenn es um die Jobsuche im Theater geht – unabhängig davon, ob auf, vor oder hinter der Bühne. Sören Fenner, der Gründer des im deutschsprachigen Raum einzigartigen Jobportals, erzählte blickpunkt musical, welche Anstrengungen er unternommen hat, um heutzutage täglich rund tausend Stellen anbieten zu können.


Die Idee

„Schon 1989/99 kam mir zum ersten Mal die Idee, dass es eine Einrichtung geben sollte, über die die Darsteller schneller an bessere Informationen über Auditions bekommen. Als Musicaldarsteller weiß ich selbst, wie schwierig es damals war, an die Ausschreibungen heranzukommen. Es gab zwar Fachmagazine und auch die ZBF, aber die Magazine gab es nicht überall zu kaufen und sie erschienen nur selten und die ZBF konnte auch nicht jedem, der anrief mit vollem Engagement helfen.“


Die Maxime

„Meine Hauptmaxime war immer: Informationsfreiheit. Information ist Macht und viele nutzen diese Macht aus, um Geld zu verdienen, indem sie bspw. Informationen zu Stellen nur teilweise veröffentlichen und erst gegen hohe Provisionszahlungen komplett zur Verfügung stellen.

theaterjobs.de eines der vielseitigsten Jobportale im Theaterbereich

http://vg06.met.vgwort.de/na/4fcef315df134f7480760dba83424764

So etwas wird es bei uns nie geben. Wir wollen uns nicht selbst bereichern, sondern stecken alle Einnahmenüberschüsse, wieder in die Findung von neuen Jobs oder die Vernetzung von Bewerbern und Theatern. Wir haben von vornherein auf Masse und Klasse gesetzt. Bei uns sind immer alle Adressen der Arbeitgeber vollständig einsehbar. Es gab und gibt keinerlei Beschränkungen. Dieser Weg hat sich bis heute als der richtige bewiesen.

Natürlich schalten wir auch Low Budget Jobs. Einige beschweren sich dann und werfen uns vor, dass wir damit die Preisspirale nach unten drehen würden und solche Angebote aus moralischen Gründen nicht mit aufnehmen sollten. Aber wenn wir das machen, greifen wir ein und werden zu Politikern. Das ist es genau, was wir nicht wollen. Wir zwingen ja niemanden, sich auf diese Rollen zu bewerben.“


Die Entwicklung

„Ich hatte während meiner Zeit als Utterson bei „Jekyll & Hyde“ zum einen viel Zeit und darüber hinaus das nötige Geld, um meine Idee in die Tat umzusetzen. Ich setzte mich also mit einer Agentur zusammen und wir entwickelten die erste kleine Website für Theaterjobs. Mit der heutigen Site hatte dieser anfängliche Entwurf, der ziemlich teuer war, nichts mehr zu tun. Alles, was unsere Theaterjobber jetzt sehen, haben wir selbst programmiert. So können wir z. B. auch Verbesserungsvorschläge sehr schnell und unkompliziert umsetzen. Unsere Programmiererin arbeitet jeden Tag an der Site, weil es ständig etwas zu optimieren und zu erweitern gibt.“


Die Kosten

„Wir haben die Jobs drei Jahre lang kostenlos angeboten. Danach waren meine Ersparnisse aufgebraucht und ich stand vor der Wahl das ganze zu beenden oder eben Geld einzunehmen. Wir haben es zunächst mit einer groß angelegten Internet-Werbe-Aktion versucht, hatten damit aber keinen nachhaltigen Erfolg. Also haben wir uns dann entschieden, für die Nutzung des Portals einen kleinen Beitrag von 30 € von unseren Theaterjobbern zu nehmen. Inzwischen liegt dieser Beitrag bei 33 €. Denjenigen, die sich beklagen, kann ich nur sagen: Es sind 2,75 € im Monat brutto. Das ist nicht sonderlich viel für die gezielte Nutzung eines Theaterjob-Portals, in dem ausschließlich Jobs für eine bestimmte Zielgruppe angeboten werden. Und für Hartz 4 Empfänger habe ich einen zusätzlichen Tipp: Als Arbeitsuchender kann man sich Bewerbungskosten von der Arbeitsagentur erstatten lassen. Eine Profilpage bei uns ist nicht anderes als Software zur Erstellung und Platzierung eines Lebenslaufs. Das kann man einreichen und im Allgemeinen werden die Kosten dafür dann von der Arbeitsagentur getragen.“


Die Projekte

„Schon seit längerem gehört unsere Theatertafel in Berlin und Hamburg zu unseren erfolgreichen Theaterjobs-Projekten. Dort lernen die Gäste in angenehmer Atmosphäre von Referenten zu unterschiedlichsten Themen. Es findet ein Austausch statt, der für jeden Teilnehmer eine Bereicherung darstellt. Gleiches gilt für die Marketing-Seminare, die wir regelmäßig anbieten.

Unser neuestes Projekt ist www.theaterblogs.de: Mehrere hundert Künstler nutzen dort bereits die Chance, ihre Erlebnisse anderen mitzuteilen und sich so bekannt zu machen. Einige schreiben als Privatmenschen, andere als Künstler und wieder andere in Rollen. Das ist sehr spannend und macht unheimlich viel Spaß.

Aber solche Projekte tragen sich natürlich nie selbst. Insofern sind wir froh, dass wir durch die stetigen Zuwachs an neuen Theaterjobbern, die Gelegenheit bekommen, diese Felder weiter auszubauen.“


Die Zukunft

„Unser Stellenmarkt ist toll, keine Frage. Aber er hat seine Grenzen. Machen wir uns nichts vor – in unserer Branche geht vielen nur mit Vitamin B. Das ist seit 300 Jahren so und wird sich auch nicht ändern. Für Berufsanfänger oder Absolventen von Musicalschulen ist theaterjobs.de eine große Chance. Bei uns öffnen sich viele kleine Türen und man kann Erfahrungen sammeln, bekommt Routine in Bewerbungen, Auditions und hat so eine prima Plattform für den Einstieg.

Zum Beispiel hat Zadek bei uns kürzlich eine Regie-Assistentin gesucht. Wenn das keine gute Gelegenheit ist!“


Michaela Flint

veröffentlicht in blickpunkt musical

http://vg04.met.vgwort.de/na/fb23ae6e96df408fa930e624f551a1cd