TONIGHT‘S THE NIGHT

2004

 
 

Sehr sexy, purer Rock’N’Roll, lustig und cool – all dies sind Attribute mit denen die englischen Kritiker Ben Elton’s neuesten Hit „Tonight’s The Night“ bedacht haben. Und ich muss den englischen Kollegen unumwunden Recht geben!


Man vermutet natürlich zunächst wieder eines der zurzeit so beliebten lauten Pop-Musicals, bei dem es nur darum geht, die Hits eines Weltstars in loser Reihenfolge, eingebettet in eine flache Handlung, zu präsentieren. Die Unterzeile „The Rod Stewart Musical“ legt dies ebenfalls nahe. Doch weit gefehlt!


Die Story beginnt in der Hölle und zeigt einen gelangweilten Satan. Um die Fegefeuer wieder so richtig zu entfachen, beschließt sie (ja, der Teufel ist eine Frau), einem Menschen, seine Seele abzunehmen. Und da kommt ihr der schüchterne Mechaniker Stu(art Clutterbuck) gerade recht. Stu hat sich unsterblich in die hübsche Mary verliebt, findet aber nicht die richtigen Worte, geschweige denn den Mut, sie anzusprechen.

Teuflisch gute Unterhaltung

Verzweifelt wie er ist, erliegt er dem folgenreichen Charme des äußerst erotischen Satan und erhält im Gegenzug für seine Seele, die Seele des Womanizers und Rockstars Rod Stewart. Alles scheint perfekt: Stu gesteht Mary seine Gefühle und gewinnt ihr Herz, er findet eine Band, mit der er sein neu gewonnenes musikalisches Talent umsetzen kann und hat soviel Erfolg, dass Rod Stewarts Managerin, Baby Jane Golden, auf ihn aufmerksam wird und ihn auf Tour schickt. Fast zu spät bemerkt er, wie sehr er sich verändert hat und dass er dieses Rockstar-Leben gar nicht führen möchte. Gut, dass auch Satan merkt, dass sie einen Fehler gemacht hat und den Seelentausch mit einem Fingerschnipsen wieder rückgängig macht.

Neben dieser Haupthandlung laufen mehrere kleine Verwicklungen und Episoden ab, die für komische und ergreifende Momente sorgen. So ist Stu’s bester Freund Rocky ebenfalls in Mary verliebt, hält aber aus Loyalität zu Stu und offenbart sich nicht, was zwangsläufig zu einem gebrochenen Herzen führen muss. Mary wiederum leidet sehr darunter, dass ihr Stu jetzt eine richtige „Rampensau“ ist - mit Groupies und allem was dazu gehört.


Baby Jane Golden ist hin- und hergerissen zwischen der Faszination des blutjungen Nachwuchsrockers, den sehr „speziellen“ Talenten ihres langjährigen Schützlings Rod Stewart und den unvergleichlich charmanten Annäherungs-versuchen von Stu’s Gitarristen Stoner. Und dann ist da noch Satan, die ziemlich schnell merkt, dass ihre Idee, die Seele von Rod Stewart einem unbedarften Jungen zu geben, keine so gute Idee war, weil sich zum einen der junge Stu als echter Erfolg herausstellt, Rod Stewart auf der anderen Seite jedoch zum Buddhismus überläuft und es vorzieht, nicht mehr

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aufzutreten.


Mit viel Sex-Appeal, einem Schuss Boshaftigkeit und Zickigkeit gelingt es Hannah Waddingham einen Satan darzustellen, wie es ihn (bzw. sie) so noch auf keiner Bühne gegeben hat. Dabei kommt ihr die Zusammenarbeit mit Autor und Regisseur Ben Elton zugute, mit dem sie schon bei „The Beautiful Game“ arbeitete. Stimmlich hat sie von zuckersüß bis bösartig-aggressiv über ein großes Repertoire und jagt einem so manchen Schauer über den Rücken. Immer umringt von einer Vielzahl mehr oder weniger bekleideter „kleiner Teufel“ sind die Satans-Szenen die erotischen Highlights auf der Bühne des Victoria Palace Theatre.

Der Kanadier Tim Howar meistert die Gratwanderung vom verklemmten Automechaniker Stu zum Rock’N’Roll-Star Rooster Clutterbuck ganz ausgezeichnet. Seine glaubhafte Schüchternheit wandelt sich; er wird vom leichtgläubigen Greenhorn des Showbiz, das sowohl Satan als auch Baby Jane Golden erliegt, zum Möchtegern-Star mit all den Allüren, die er meint als Rocker haben zu müssen. Stimmlich kann er dem Original trotz seiner Jugend durchaus das Wasser reichen, seine Interpretationen der Rod Stewart Hits sind absolut hörenswert. Auch seine Bühnenperformance lässt es an nichts vermissen: Zwischen eitlem Gockel, der sich immer wieder durch die Haare wuschelt, verunsichertem Liebhaber und einer „Rampensau“ im besten Sinn, bietet Tim Howar alles auf.


Stu’s Herzdame Sweet Lady Mary wird von Dianne Pilkington gespielt, die die emotionalen Schwankungen ihres Alter Egos sehr gut transportiert. Ob sie nun glücklich ist oder sich zurückgesetzt fühlt, betroffen, weil sie Rocky das Herz bricht oder verzweifelt – all diese Ebenen einer Gefühlswelt drückt die junge Künstlerin überzeugend aus. Ihre Mimik lässt Herzen erweichen und mit ihrer mal sanften, dann wieder kraftvollen Stimme nimmt sie jeden Zuschauer gefangen.


Thern Reynolds spielt Stu’s besten Freund Rocky Washington in der Zweitbesetzung. Im dürften reihenweise Herzen zufliegen, da er den verschmähten Lover sehr authentisch darstellt. Der smarte Australier ist sicherlich nicht der einzige, der nach seinem ergreifenden Solo „I don’t want to talk about it“ Tränen in den Augen hat. Bemerkenswert ist auch die Auseinandersetzung mit Stu um die Gunst von Mary, wo sich Thern Reynolds und Tim Howar mit „Stay with me“ einen verbalen Schlagabtausch liefern, der seinesgleichen sucht. 


Die alternde Managerin Baby Jane Golden wird von der Amerikanerin Catherine Porter gegeben, deren ausdrucksstarke

tanzenden Ensemble. Tim Howar alias Stuart Clutterbuck tobt durch das Publikum und bringt das Theater noch einmal so richtig zum Kochen, bevor mit dem Klassiker „Sailing“ das Finale beendet wird.


Dieses Musical ist eine der wenigen Mischungen, in denen eine Handlung von der Songauswahl gestützt, sie jedoch nicht von ihr dominiert wird. Das Team um Erfolgsautor Ben Elton („The Beautiful Game“, „We Will Rock You“) hat ganze Arbeit geleistet und das Publikum dankt es mit stehenden Ovationen.


Michaela Flint

veröffentlicht in blickpunkt musical
Ausgabe 02/04, März-April 2004

Stimme perfekt zu den rockigen Sounds von Rod Stewart passt. Neben bewegenden Soli wie „Baby Jane“ oder „Maggie May“ hat sie auch viele Lacher auf ihrer Seite, wenn sie mit Rod Stewarts Hausdiener Jorgé (hinreißend dargestellt von Howard Samuels) über die plötzliche Wandlung seines Herrn sinniert. Heiß umworben wird Baby Jane Golden vom Gitarristen Stoner, der von seiner ersten bis zur letzten Szene über die Bühne torkelt. Michael McKell spielt seinen Part so gut, dass man geneigt ist zu glauben, er würde vor jeder Show einen Drogen-Alkohol-Cocktail zu sich nehmen. Dennoch versprüht er lallend einen Charme, dem auch die ausgebuffte Managerin schließlich erliegen muss.


Bei einem Musical, das auf Rocksongs basiert, ist ein tanzendes und singendes Ensemble unerlässlich. Das 20-köpfige Tanzensemble trägt massiv dazu bei, dass dieses Musical begeistert. Schon bei der Eröffnungsnummer „Tonight’s the Night“ zeigen sich die Tänzerinnen und Tänzer in sexy Outfits; beim großen Konzert von Stu und seiner Band sorgen sie dafür, dass sich das Publikum bei „Da ya Think I’m sexy?“ wie in einem Club in L.A. fühlt.


Den krönenden Abschluss bildet die Hochzeit vom geläuterten Stu und seiner Sweet Lady Mary, umringt vom weiß gewandeten und klassisch

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