YNGVE GASOY-ROMDAL

2003

 
 

Michaela Flint: Nach der Sommerpause standen Sie nur noch zwei Wochen als Jekyll & Hyde auf der Bühne des Kölner Musical Domes. War das Engagement von Anfang so kurz angesetzt?


Yngve Gasoy-Romdal: Nein, das war nicht ganz so geplant. Aber ich habe gemerkt, dass ich eine Pause brauche. Natürlich sind viele Fans traurig oder wütend darüber und ich bekomme entsprechende Briefe. Aber das gehört dazu. Man muss sich selbst treu bleiben und seinem Herz folgen. Ich stehe zu meiner Entscheidung.
In den letzten beiden Wochen habe ich bei »Jekyll & Hyde« sehr viel Spaß gehabt. Es war eine Riesenstimmung im Saal und ich habe jede Vorstellung genossen.


Michaela Flint: Was hat Sie an dieser Rolle besonders gereizt?


Yngve Gasoy-Romdal: Kurz gesagt: Einfach alles! Erstmal ist es eine der schönsten Geschichten. Die Musik ist phantastisch und das Stück wurde von Dietrich Hilsdorf wunderbar kreiert. Und eine gespaltene Persönlich-keit darzustellen, ist ein Reiz für jeden Darsteller. Aber es hat Begren-zungen. Ich bin in eine Produktion hinein gekommen, die vor vielen Jahren in Bremen und Wien entstanden ist. Es wie ein Korsett, in den ich spielen muss. Man kann nicht immer neue Stücke selbst kreieren. Es gab von Anfang viele Vorgaben und ich habe versucht, mich da einzuschmelzen. Doch es gab viele Einschränkungen, was man machen kann und was ich daraus machen darf. Trotzdem habe ich versucht, etwas von mir einzubringen und jede Show zu etwas ganz Besonderem zu machen.


Michaela Flint: Welche Erinnerungen nehmen Sie von »Jekyll & Hyde« mit?


Yngve Gasoy-Romdal: Naja, ich sammele Narben. Während »Sunset Boulevard« hatte ich eine Blinddarmoperation, bei »Mozart!« wurde ich am 

Yngve Gasoy-Romdal verabschiedet sich in eine längere Bühnenpause

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Meniskus operiert, bei »Die Schöne und das Biest« musste ich am Kopf genäht werden und hier bei »Jekyll & Hyde« habe ich an der Hand zwei Verletzungen bekommen, die auch genäht werden mussten.
Das alles ist entweder bei Proben oder sogar während der Show passiert. Es passieren immer solche Kleinigkeiten. Gott sei Dank ist bei »Jekyll & Hyde« nichts Großes passiert, denn wenn es da eine Panne gäbe, wäre das sehr gefährlich, weil die Bühne sehr technisch ist.


Michaela Flint: Suchen Sie sich Ihre Rollen bewusst so aus, dass der Charakter am Ende stirbt?


Yngve Gasoy-Romdal:(lacht) Das könnte man fast denken. Natürlich ist Dramatik für mich wichtig – ich bin auch privat eine hochdramatische Person. Und Sterben auf der Bühne ist für einen Schauspieler natürlich sehr dramatisch, aber zugleich auch sehr schön. Es ist ein bisschen merkwürdig, dass zu sagen, aber irgendwie genieße ich es auch.
Bei meinem Rollen ist das eher Zufall gewesen. Die Menschen, die ich gespielt habe, sind durch so viele Leiden gegangen und haben Geschichte geschrieben.

 

Michaela Flint: War es für Sie schwierig nach Wolfgang Mozart eine andere Rolle zu finden? Sie waren ja auf diesen Part doch sehr festgelegt – trotz aller kreativen Freiheiten…


Yngve Gasoy-Romdal: Nein, auch bei »Jesus Christ Superstar« habe ich viel selbst geschaffen. Aber diese Gedanken waren der Grund, warum ich nach »Mozart!« nicht gleich zur »Jekyll & Hyde«-Audition nach Wien gegangen bin. Die beiden Rollen haben doch zu viele Ähnlichkeiten und das hätte ich dann nicht machen wollen.
Alle Rollen, die ich bisher gespielt habe, sind ganz unterschiedlich. Für mich ist es das größte Glück, dass Produzenten und Regisseure sich trauen und mich für Parts besetzen, bei denen andere nicht mal im Traum daran denken, dass ich das könnte.
In Norwegen war ich doch nur der lyrische Boy. Aber hier in Deutschland und Österreich habe ich so unglaublich viele Charaktere geschaffen – das ist das größte Glück für einen Darsteller.


Michaela Flint: Haben Sie nicht kürzlich für die Rolle des Graf von Krolock in »Tanz der Vampire« vorgesungen?


Yngve Gasoy-Romdal: Ja. »Tanz der Vampire« ist eine tolle Show und der Graf ist eine schöne Rolle. Aber im Grund wollte ich nichts machen nach »Jekyll & Hyde«. Ich bin dort nur Michael Reed zuliebe hingefahren, der dort der Musical Supervisor ist. Wir haben in London schon zweimal fast zusammen ein Stück gemacht, aber im Moment möchte ich nichts machen. Außer fliegen…


Michaela Flint: Ist das das Buch, in dem Sie kurz vor dem Interview noch gelesen haben?


Yngve Gasoy-Romdal: Ich muss sieben ziemlich dicke Bücher Theorie lesen. Es ist eigentlich unglaublich, dass ich mich überhaupt damit befasse. Meine Fliegerei ist eine Tragödie für die Umgebung, meine Familie und die Geldbörse…


Michaela Flint: Ist das Fliegen ein lang gehegter Traum, den Sie sich jetzt endlich erfüllen können, weil Sie mehr Freizeit haben?


Yngve Gasoy-Romdal: Ich hatte es total vergessen. Als ich Kind war wollte ich Missionar in Afrika werden. Das kam, weil meine Großmutter sehr religiös war. Ich glaube, es war eine Kombination aus ihrem Einfluss, dem Reisen an sich, neue Dinge zu erleben, weshalb ich Missionar werden wollte. Oder eben Flieger…
Und dann habe ich Flugangst bekommen – wirklich Höllenangst beim Starten und Landen. Dass ich jetzt überhaupt fliege, ist Wahnsinn! Aber es ist jedes Mal ein unglaubliches Erlebnis. Ich fliege ganz allein, mein Lehrer sitzt nur daneben und redet mit dem Tower, denn das kann und darf ich noch nicht.
Ich mache alles: Take Offs, Landungen und es ist herrlich! Da oben auf einem Luftkissen zu sitzen und zu gucken…


Michaela Flint: Wenn Sie nicht im Flugzeug sitzen oder im Theater auf der Bühne stehen, wie verbringen Sie Ihre Freizeit?


Yngve Gasoy-Romdal: Am liebsten mit Fliegen oder Fischen. Ich war jetzt gerade wieder eine Woche in Norwegen und habe einen Riesen-Dorsch gefangen. Die Makrelen, die ich geangelt habe, habe ich gleich gekocht. Mmmmh, frisch gefangene Makrele kochen und mit Zitrone, ein bisschen Essig und natürlich Salz und Knoblauch…


Michaela Flint: Das klingt nach Kochen mit Yngve…


Yngve Gasoy-Romdal: Ja, und es ist so einfach! Einfach nur das Wasser mit Zwiebeln hochkochen und die Makrele in schöne große Scheiben schneiden, kurz aufkochen und dann zwei Stunden in dem warmen Wasser ziehen lassen. Dazu dann Kartoffeln und Sauerrahm und verschiedene andere Soßen – hach lecker!
Ich liebe es zu kochen, Indisch, Thai und Deutsch… Grünkohl oder Sauerkraut mit Kasseler – ich liebe es.


Michaela Flint: Sie sind seit vielen Jahren auf den deutschen und österreichischen Bühnen vertreten. Wo ist für Sie Ihre Heimat?


Yngve Gasoy-Romdal: Hier in Wiesbaden ist mein Zuhause. Natürlich bin ich vor allem Norweger. Das liegt zum einen an der Natur und zum anderen daran, dass ich Royalist bin und sehr stolz auf meinen König, die Königin und vor allen die junge Generation bin. Ansonsten bin ich genauso viel Deutscher oder Österreicher. Hier habe ich arbeitsmäßig meine schönsten Momente gehabt…


Michaela Flint: Jetzt gehen Sie für einige Wochen nach London. Warum gerade die englische Metropole?


Yngve Gasoy-Romdal: Ich habe von dort schon oft Angebote bekommen, die ich nicht machen konnte, weil ich hier ein festes Engagement hatte. Und jetzt habe ich zum ersten Mal seit langer Zeit nichts Konkretes, aber es sind viele Dinge in Planung. Ich möchte das einfach verwirklichen und schauen, wie es läuft?


Michaela Flint: Wie genau sehen diese Pläne aus? Mehr Schauspiel, die von Ihren Fans lang ersehnte eigene CD oder doch Musicalbühne und Konzerte?


Yngve Gasoy-Romdal: Es gibt viele Gespräche. Aber als erstes möchte ich ein bisschen frei machen und ins Theater gehen, meine Familie sehen und so was.
Eine eigene CD war schon letztes Jahr geplant, aber wir konnten uns wegen des Repertoires nicht einigen. Die wollten etwas im Robbie Williams Stil machen und ich fand das nicht richtig. Ich möchte keine Platte machen, wo nur moderne Songs drauf sind. Ich möchte lieber Stücke aus den Musicals präsentieren, in denen ich mitgespielt habe, und viele ältere Stück von Genies, die ich persönlich unglaublich finde.
Mit der Schauspielerei ist das so eine Sache. Es gibt sicherlich Pläne in diese Richtung, aber die Shootings sind immer sehr kurzfristig und binnen einer Woche steht man dann vor der Kamera. Ich hab früher schon mal in Oslo abends auf der Bühne gestanden und tagsüber in Stockholm gedreht. Viele Haben gesagt. „Um Gottes Willen! Was für ein Stress!“, aber ich habe sehr viel Energie daraus geschöpft und viel Spaß dabei gehabt. Wenn man dann auch noch ein paar Konzerte machen kann, ist es optimal.


Michaela Flint: Gibt es – nach der anstehenden kreativen Pause - eine Traumrolle, die Sie gern einmal spielen würden?


Yngve Gasoy-Romdal: Oh ja, da gibt es einige… Zum Beispiel König Artus in »Camelot« oder Billy in »Carousel«. Auch »Sweeney Todd« würde ich sehr gern machen. Diese Stücke sind von phantastischen Künstlern geschaffen. Es sind vor allem Stücke, wo ich das schauspielerische mit dem Gesang mischen kann.


Michaela Flint: Wie wichtig ist es Ihnen, dass Schauspiel und Gesang gleichwertig verteilt sind?


Yngve Gasoy-Romdal: Das muss sein. Wenn ich nur singen möchte, sollte ich in die Oper gehen. Oder in den Popbereich. Ab und zu hoffe ich, dass ich etwas mehr Pop in mir hätte, aber das habe ich leider nicht. Einige Kollegen sagen mir zwar, dass ich poppig singen könnte, aber ich fühle dann immer irgendwie tuntig. Aber ich höre sehr gern Pop – und auch Rock ist natürlich phantastisch. Privat höre ich viel Soul und Jazz.
Aber wenn ich nur singen würde, würde ich auf jeden Fall Klassik machen. Das Schauspiel ist mir wichtig, weil ich mich da als Person in ein Stück einbringen kann. Und dafür muss die Rolle auch ein bisschen Substanz haben…


Michaela Flint: Wir hatten vorhin schon ganz kurz darüber gesprochen, wie enttäuscht die Fans sind dass Sie Deutschland – wenn auch nur vorübergehend – verlassen…


Yngve Gasoy-Romdal: Ich kann das ja ein bisschen verstehen. Aber 99 % meines Publikums sind phantastisch. Die respektieren meine Privatsphäre und ich liebe es für sie zu spielen.
Ich komme ja bald wieder und freue mich darauf.


Mehr Informationen unter www.yngvegasoyromdal.com

Michaela Flint

veröffentlicht in blickpunkt musical

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